Warum unsere Kinder keine Kindheit mehr haben
Warum unsere Kinder keine Kindheit mehr haben *Quelle: Pixabay

Warum unsere Kinder keine Kindheit mehr haben

Heute gibt es mal einen etwas anderen Post auf meinem Blog. Nicht politisch, aber provokant. Es ist ein Thema, dass mich als Mutter sehr aufregt und verärgert – warum unsere Kinder keine Kindheit mehr haben!

Meine Kindheit ist schon etwas länger her. Ich erinnere mich an lange Nachmittage im Tennisclub. Spielen mit meinen Freundinnen im Hinterhof. Faulenzen im Freibad. Stundenlang verschwunden sein und meine Eltern wussten nicht, wo ich war.

Die Schule – ja, die war da. Aber nicht so wichtig. Irgendwie haben wir uns durchgemogelt. Mal geschwänzt – mal keine Hausaufgaben gemacht, aber irgendwie ging es immer. Schule war nie wichtig. Und das Abitur haben wir doch geschafft.

Heute ist alles anders. Unsere Kinder spielen zu wenig – sind zu wenig draussen. Stubenhocker, Computer Nerds, versessen nach elektronischen Spielzeugen, Fernsehsüchtig. Wirklich? Sicher gibt es heute Medien und Tools, die es zu unserer Zeit nicht gab. Aber das ist nicht der wahre Grund!

Der wahre Grund

Hier in der Schweiz endet die Nachmittagsschule nicht vor 15:05. Mein Sohn, der auf dem Gymnasium ist, kommt oft erst um 17:00 nach Hause. Gegangen ist er meist schon um 07:30 Uhr. Dann verbringen meine Kinder etwa 2 Stunden am Tag ihre Hausaufgaben zu machen. Am Wochenende haben sie auch nicht frei. Und muss ich das sagen – sie sind gut in der Schule! Irgendetwas stimmt doch hier nicht, oder?

Zeit für Freunde, Hobbies und Sport – Fehlanzeige. Und ja, Entspannung ist dann oft nur noch Fernsehen, I-Pad und zum Glück ein gutes Buch!

Mein Sohn hatte sogar zwei Projekte über die Herbstferien zu bearbeiten! Dürfen unsere Kinder noch nicht einmal Ferien haben?

Ich bin zu lange aus Deutschland weg, aber wie ich höre, ist es dort ähnlich. Oder nicht?

Das Schweizer Schulsystem

Meine Tochter bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium vor. Das heisst einmal in der Woche Nachhilfeunterricht und zusätzliche Hausaufgaben! Denn ohne geht es nicht. Sie büffelt von morgens bis abends – und das mit 11 Jahren!
In der Schweiz gehen nur 17% der Kinder aufs Gymnasium. Und unter einer 5 (Deutschland 2) im Zeugnis braucht man es erst gar nicht zu versuchen.

Und wenn sie die Prüfung schafft, gibt es eine Probezeit. Sind die Leistungen nicht gut, kann sie immer fliegen. Was für ein Druck für ein Kind! Kein Wunder, beide meiner Kinder machen wenig ausserschulischen Sport und sehen kaum noch ihr Freunde.

Ich frage mich, muss das so sein? Globalisierung, Konkurrenz aus Asien, Leistungsdruck. Irgendwie bleiben unsere Kinder auf der Strecke. Ist es das wert? Aus uns ist schliesslich auch etwas geworden.

Ich habe gefaulenzt, Spass gehabt, Dummheiten gemacht. Und meine Kinder? Alles ist mega ernst und stressig. Wo bleibt ihre Kindheit? Ihre Unbeschwertheit? Haben sie nicht Zeit später erwachsen zu werden? So wie wir?

Wie erlebt Ihr die Schulzeit Eurer Kinder, Neffen, Nichten, Patenkinder?
Ist es bei Euch auch so oder anders?
Ich bin gespannt auf Euer Feedback! Liebe Grüsse 🙂

Unbeschwerte Kindheit
Unbeschwerte Kindheit

10 comments on “Warum unsere Kinder keine Kindheit mehr haben”

  1. Da sprichst Du ein Thema an und mir aus der Seele. Meine Kinder sind zwar beide schon erwachsen und ihren Weg gegangen. Aber ich bin heilfroh, dass ich nichts mehr damit am Hut habe. Die Kinder haben heute kaum noch Freizeit und einen riesigen Druck – nicht nur auf den Schultern, sondern auch auf der Seele.

    Wir durften früher noch Frösche fangen und uns in der Natur stundenlang austoben.

    Ich wünsche mit für unsere Kinder die Unbeschwertheit zurück.

    Liebe Grüße Sabine

    • Danke, Sabine, für Deinen Kommentar !!!
      Ich wünsche mir auch die Unbeschwertheit zurück.
      Leider können wir wohl nicht das Rad der Zeit zurückdrehen …
      Liebe Grüsse
      Steffi

  2. Liebe Steffi,
    ich habe zwar keine Kinder, bekomme den Druck aber bei meinen Freundinnen mit. In Wien ist es fast ein muss ins Gymnasium zu gehen. Neben Nachhilfe ist dann auch noch Ballett oder Reiten ein Programmpunkt. So wie du schreibst habe auch ich meine Kindheit einfach und sehr unbeschwert in Erinnerung.
    Die armen Kids müssen heute sehr früh lernen mit Druck umzugehen.Allerdings ist es auch eine andere Zeit. Die Welt dreht sich schneller, kommt mir vor….
    Alles Liebe
    Natascha

    • Liebe Natascha,
      danke für Dein Feedback !
      Du hast recht, die Welt dreht sich schneller heute.
      Trotzdem – müssen Tränen sein, weil die Anforderungen zu hoch sind?
      Liebe Grüsse
      Steffi

  3. Das Schulsystem ist der Grund dafür, dass ich auf keinen Fall in Bayern leben wollte. Baden-Württemberg reicht da völlig. Und ja, die Arbeitsbelastung ist hoch. Allerdings nicht so hoch wie in der Schweiz, wie mir scheint.
    Meine älteste Tochter ist jetzt in der Oberstufe und findet zum Glück noch Zeit für Hobbies und Freunde. Allerdings müssen meine Zwei, da sie beide auf dem Gymnasium sind, auch ein ordentliches Pensum absolvieren und die Schultage sind bisweilen recht lang.

    Ein bisschen mehr Unbeschwertheit wäre schön. Ich versuche, dies dadurch zu erreichen, dass ich die Anzahl der Hobbies einschränke. Damit sie einfach mal aus dem Fenster gucken oder mit den Hasen durch den Garten toben können.

    Und ich gebe dir recht, früher erschien mir das auch lockerer.

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Liebe Andrea,
      danke für Deinen Kommentar!
      Sei froh, dass Deine Tochter noch Zeit für Hobbies und Freunde hat.
      Eine gute Idee trotzdem die Hobbies einzuschränken, damit Zeit fürs Nichts-Tun bleibt.
      Liebe Grüsse
      Steffi

  4. Mache hier in Österreich die selbe Erfahrung bei Nichten und Neffen die noch zur Schule gehen. Bin schockiert wie viel Kinder heutzutage lernen müssen. Es bleibt tatsächlich kaum Zeit für sie selbst.

    Liebe Grüße

    • Danke für Dein Feedback 🙂
      Ja, es ist schockierend, wie wenig Zeit den Kindern bleibt!
      Eine schöne Woche noch und liebe Grüsse
      Steffi

  5. Einerseits hast du definitiv Recht. Die Kids haben vor allem in der Schule unglaublich viel zu tun. Weil Pauken inzwischen wichtiger ist als Denken. Unsere Lehrer brachten uns in der Oberstufe vor allem Letzteres bei. Im Rahmen diverser Pisa-Studien wurde dann aber das Pauken immer wichtiger, die Kids sollten unbedingt zu ihren Altersgenossen aus Asien aufschließen. Wir hatten gerade eine japanische Austauschschülerin hier, meine Tochter war im vergangenen Jahr in Japan. Das japanische Bildungssystem mag in Pisa-Studien hervorragend abschneiden. Kritisches Denken kommt dort aber nicht vor. Ob das dann der Weisheit letzter Schluss ist? Heute liegt der Abiturschnitt von rund 30 Prozent der Absolventen hier an den Schulen im Einserbereich. Als ich vor mehr als 30 Jahren Abi machte, waren das etwa fünf Prozent. Aus uns ist trotzdem was geworden 😉
    Den Grund für zu viel Stress aber nur beim Bildungssystem zu suchen wäre zu kurz gesprungen. Es sind in ganz vielen Fällen durchaus auch die Eltern, die für den Stress verantwortlich sind. Da wird angetrieben und der eigenen Ehrgeiz auf die Kinder übertragen, dass es eine wahre Freude ist. Meine kleine Tochter hat eine Freundin, die soweit ich weiß, ganz gut im Durchschnitt mitschwimmt. Jede vier in irgendeiner völlig unwichtigen Religions-Klausur wird von ihren Eltern mit der Drohung, das Kind auf die Realschule zu schicken, quittiert. Außerdem wird bei jeder vier sofort das Gespräch mit dem Lehrer gesucht. Hallo? Das ist doch krank. Bei jedem Anflug von Eltern-Ehrgeiz gucke ich einfach auf mein höchst durchschnittliches Abizeugnis und halte den Mund.
    Naja, und Kindheit genießen? Frösche fangen? In der Gegend herumstreifen? Heute doch bitte nur mit Ortungschip… Helikopter lässt grüßen. Die große Tochter hat vier Jahre lang eine Ballettausbildung in Hamburg gemacht. Fünfmal pro Woche Training, dorthin musste sie allein per Zug, 30 Minuten Fahrt. Damals war sie zehn Jahre alt. Auf eigenen Wunsch übrigens, ich war wenig begeistert. Ich wäre fast gelyncht worden, weil sie tatsächlich allein mit dem Zug fuhr. Immerhin ist das Kind heute selbständig, während andere 17-jährige nichtmal den Fahrplan lesen können. Müssen sie auch nicht, der Helikopter fliegt sie ja.
    Liebe Grüße
    Fran

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